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Herr Panzerknacker und der Hagelpilot

Schreiner- und Bestattermeister Alexander Kempf aus Gersheim hat ein ungewöhnliches Hobby – er hat sich die Technik und das Wissen angeeignet, Tür- oder Tresorschlösser ohne Schlüssel zu öffnen. Damit ist er nicht allein. Die „Lockpicking“-Familie ist größer als der Laie denkt.

Bildnachweise: inplan-media

Preisfrage: Was könnten ein Hagelpilot aus Stuttgart, ein Arzt aus Berlin und ein Schreiner- und Bestattermeister aus dem schönen Gersheim im saarländischen Bliesgau gemeinsam haben? Die Antwort ist nicht so einfach, weil alles andere als nahe liegend. Aber allen gemein ist die Liebe zum Schlösserknacken. Genauer gesagt, zum smarten Öffnen von komplizierten Schlössern jedweder Art. Das nicht gerade fernsehtaugliche Hobby ist aber weiter verbreitet, als Ottonormalverbraucherdenkt und hat auch einen internationalen Spezialbegriff und ebensolche Meisterschaften: Es geht um das Thema Lockpicking, das zerstörungsfreie Öffnen von Schlössern.

Laut Wikipedia versteht man unter Lockpicking (englisch lock für Schloss und pick für picken oder stochern) oder Nachschließen, umgangssprachlich Picking, die Aufsperrtechnik zum Öffnen von Schließzylindern (Schlössern), ohne einen dafür passenden Schlüssel zu benutzen und ohne das Schloss zu beschädigen. Lockpicking wird sowohl von Privatpersonen beziehungsweise Vereinen als auch von Geheimdiensten, Geocachern, Kriminellen und Schlüsseldiensten betrieben. Wir wollen uns hier auf eine sehr, sehr technikaffine Privatperson namens Alexander Kempf konzentrieren. Der nicht nur in seinem Heimatort Gersheim sehr bekannte und beliebte Schreiner- und Bestattermeister ist zusätzlich „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“, seit längerem schon Mitglied im Pfarreirat und Vorstand der Motorradfreunde Bliestal.

Auch im Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar ist der dreifache Familienvater engagiert. Der 46-Jährige ist stellvertretender Bezirksobermeister des Saarpfalz-Kreises und Beisitzer im Gesamtvorstand des Wirtschaftsverbandes. Außerdem ist er in der Fachgruppe Bestatter Deutschland engagiert. Doch damit nicht genug. Wenn der eher ruhige Zeitgenosse mit dem trockenen Humor von seinem kaum bekannten Zeitvertreib Lockpicking erzählt, stößt der unbedarfte Zuhörer in Welten vor, von denen er nie zuvor auch nur gehört hat. Und wenn Alexander Kempf dann aus einem durchgesägten Kanister mysteriöses Werkzeug und kleine und große Schlösser hervorkramt, um zu demonstrieren, was man mit Haken und Drähtchen so alles öffnen kann, wächst die Hochachtung für diesen offensichtlich multibegabten Häufigschweiger ins Unermessliche.

Mit einem Werkzeug, das einer raffiniert verbogenen Malerspachtel nicht unähnlich sieht, öffnet er im Handumdrehen die Tür zu seinem Büro – und auch die Haustür zu seinem Bestattungsinstitut. Langsam wird klar, warum man mit solch einem Können besser nicht hausieren geht, könnten doch Panzerknacker und sonstige Ganoven auf die Idee kommen, von diesem Wissen zu profitieren – oder den netten Herrn Kempf zum unerlaubten Türöffnen missbrauchen. Aber das weiß er und deshalb hält er sich mit seinem Spezialwissen zurück.

Damit bleibt er lieber unter Seinesgleichen. Er gehört speziellen Fangruppen und Foren an, die zum Zeitvertreib oder als Hobby möglichst komplizierte Schlösser öffnen und sich darüber fachmännisch austauschen. Aber warum macht man so etwas Exotisches? „Ich bin von jeher sehr an Technik interessiert“, sagt Kempf, „und mich haben besonders komplizierte Schließmechanismen fasziniert und vor allem auch die Möglichkeiten, wie man diese ohne Schlüssel öffnen kann“. Herr Panzerknacker himself!

Aber je mehr Alexander Kempf erzählt, umso häufiger fallen Begriffe wie „Ehrenkodex“, „geschütztes Forum“ und „nur für sportliche Zwecke“. Das glaubt man dem leidenschaftlichen Technikfan sofort. Zumal, wenn er erzählt, dass große Firmen wie ABUS Lockpicker wie ihn gerne engagieren, um zu testen, wie sicher ihre neuesten Schloss-Innovationen sind. Alexander Kempf bemerkt hierzu nur staubtrocken: „Letztlich lässt sich jedes Schloss öffnen.“ Wenn man sein Werkzeugarsenal auf dem Tisch sieht und sein geduldiges Probieren ins Kalkül zieht, dann glaubt man gerne, was er sagt. Dennoch zählt sich der verschlossene Saarländer aus Gersheim selbst nicht zu den großen Lockpickern: „Es gibt noch weit größere Sesam-öffne-Dich- Koryphäen.“

Dann kommt das Thema Digitalisierung auf den Tisch: „Smarthome“ ist ja bekanntlich in aller Munde und verheißt die Zukunft – also die Vernetzung aller Geräte im Haus, die dann bequem per App aus der Ferne zu steuern sind. Alexander Kempf kennt sich aus und warnt selbst vor dem kleinsten elektronischen Thermostat im Haus, der auch nur einmal mit dem WLAN verbunden war (was er ja muss): „Wenn so ein Gerät einmal im Netz war“, sagt der Experte, „haben kenntnisreiche Bösewichte ein leichtes Spiel, mitunter die ganze Technik im Haus lahmzulegen“. Genau das Erkennen und Verhindern solcher Horrorszenarien reizt einen Schreiner und Bestatter wie ihn, über den Tellerrand hinauszuschauen und den Markt der Möglichkeiten im Blick zu haben. Keine Frage, Menschen wie Alexander Kempf und ihr exotisches Hobby Lockpicking können der Menschheit einen größeren Dienst erweisen, als man in Unkenntnis zunächst annehmen mag.

Und wie ist nun die Verbindung zum Hagelpiloten aus Stuttgart und zum Arzt aus Berlin? Man kann es sich fast schon denken – der Hagelpilot, der für Daimler und Porsche durch gezielten Flugeinsatz gegen die für Autokarosserien gefährlichen Hagelwolken anfliegen soll und der Arzt (mit Zeit) haben zum Zeitvertreib das gleiche Hobby wie Alexander Kempf: Lockpicking – unter Ausschluss der Öffentlichkeit!

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