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Die Zukunft gehört (noch nicht) dem E-Transporter

Der Neujahrsempfang der Wohnhandwerker auf der Redener Bergehalde hatte einen bislang unbekannten Stargast: den funkelnagelneuen eVito von Mercedes Benz. Ein Fahrbericht der Tester Michael Peter, Peter Schneider und Patrick Primm.

Anlässlich des Neujahrsempfangs der Wohnhandwerker sorgte die Präsentation des Mercedes Vito Transporters als Elektrofahrzeug durch die Torpedo-Gruppe für einigen Gesprächsstoff. Wohnhandwerker nutzten zahlreich die Gelegenheit zu kleineren Probefahrten und die Tester zu einem etwas ausgedehnteren Praxistest. Von außen weicht das Fahrzeug nicht vom normalen Vito ab. Aber sobald sich das Fahrzeug in Bewegung setzt, ist man ob der fast vollkommenen Lautlosigkeit etwas irritiert. Nach wie vor gibt es in dem Transporter auch einen Zündschlüssel und so etwas Ähnliches wie eine Gangschaltung. Damit werden jedoch keine Gänge in einem Getriebe eingelegt, sondern damit wird das Maß der Rekuperation, also des Aufladens beim Gas-Wegnehmen und damit des automatischen Abbremsens – gerade auch bei Bergabfahrten – eingestellt. Bei der höchsten der vier Rekuperationsstufen kann es daher selbst bei einem steilen Bergabstück wie in Saarbrücken-Von der Heydt auf dem Weg zur Lehrwerkstatt passieren, dass das Fahrzeug fast stehen bleibt.

Auch bei Zuladung und Geräumigkeit unterscheidet sich die E-Version nicht vom normalen Vito. Drei Meter Ladetiefe, ein Ladevolumen von 6,6 Kubikmeter und eine Zuladung über 1.000 Kilogramm dürften für den normalen Wohnhandwerker-Einsatz genügen. Wem das insbesondere von der Stauhöhe her nicht genügt, hat noch die Alternative im neuen E-Sprinter von Mercedes. Die hier wie dort verbauten Motoren haben eine Leistung von 85 Kilowattstunden und 295 Newtonmeter Drehmoment. Sie werden gespeist von einer 41,4 Kilowattstunde großen Batterie. Der eVito-Kastenwagen hat von der Papierform her eine Reichweite von 150 bis 184 Kilometer. Die Batteriekapazität kann bei einer Ladeleistung von 7,4 Kilowatt in rund sechs Stunden von null auf 100 Prozent aufgeladen werden.

Ein Schnellladen ist allerdings nicht möglich, sondern nur an einer Wallbox oder mit einem Notladekabel für Schuko-Steckdosen. Dann dauert der Ladevorgang bei kompletter Entladung wohl locker einen ganzen Tag. Jedenfalls benötigten wir an der Haushaltssteckdose gute zwölf Stunden, um wieder von 50 auf 100 Prozent Ladeleistung zu kommen. Die Fahrten fanden im Februar statt und wir kamen nie auf eine höhere Reichweite in der Anzeige als 130 Kilometer. Als Diesel-Fahrer wird man auch schnell nervös, wenn die Reichweiten- und Ladeanzeige bei schnellerer Fahrt oder bei längeren Bergaufstrecken abnimmt und man plötzlich an einem Punkt ankommt, etwa bei einer Reichweite von lediglich noch 40 Kilometer, wo man normalerweise schnell auftanken würde. Dann sucht man wie ein Verdurstender in der Wüste eine Wasserstelle, eine Aufladegelegenheit irgendwo in Saarbrücken. Und das Aufladen kann sich dann eine Weile hinziehen.

Problematisch dabei ist auch der Anschluss der Stromkabel direkt hinter der Fahrertür. Dies führt zu unnötiger Fummelei. In einer engen Garage ist das jedenfalls etwas umständlich. Hier wäre sicherlich eine Anschlussmöglichkeit in der Front oder am Heck sinnvoller. Ausbildungsmeister Patrick Primm, ein ausgewiesener Petrolhead (Fan von schnellen Autos), fand naturgemäß den Antritt etwas emotionslos und zeitverzögert: „Eine Einsatzmöglichkeit sehe ich bei leichten Auslieferungsfahrten im Stadtbereich.“

Bestatter Peter Schneider aus Saarbrücken hat schon einen Mercedes Vito als Bestattungsfahrzeug und kann sich das E-Mobil durchaus als Alternative für ein Zweit-Bestattungsfahrzeug gerade im Stadtbereich vorstellen. Er fand, dass das Fahrzeug gut aus dem Stand in Fahrt kommt: „Mich würde interessieren, wie das Fahrzeug sich vom Verbrauch her verhält, wenn es als Bestattungsfahrzeug ausgebaut und beladen ist.“

Übereinstimmend zeigten sich alle Fahrer und Mitfahrer irritiert über das Wechselspiel von Ladeanzeige in Prozent und Reichweite in Kilometer, die oftmals hintereinander unstetig wechseln. Abgesehen von diesen gewissermaßen systemimmanenten Kritikpunkten gestaltet sich das Fahren im E-Vito recht angenehm. Man gewöhnt sich recht schnell an den Transporter, vor allem wegen der niedrigen Geräuschkulisse, der intuitiven Bedienung und dem unproblematischen Fahrverhalten. Es ist dennoch ein langer Weg, bis die E-Mobilität vollends überzeugt.

Momentan scheint ein Transporter mit Dieselantrieb für Wohnhandwerker doch noch die bessere Wahl zu sein. Das beweist auch die Einstellung der Produktion des Street-Scooters durch die Deutsche Post. Seit 2014 hat die Post in eigener Regie mehr als 12.000 Fahrzeuge hergestellt und etwa 7.000 sollen bis Mitte 2021 noch hinzukommen. Nach Informationen der Wirtschaftspresse hat die Post mit dem Fahrzeug aber rund eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Daher wundert es auch nicht, dass kein renommierter Fahrzeughersteller mit einsteigen wollte und kaum Dritte das Fahrzeug kaufen wollten – bei einer Reichweite von gerade einmal 80 Kilometern, einer maximalen Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern und einer Zuladung von maximal 650 Kilogramm. Dennoch will die Post ihre elektrisch betriebene Lieferflotte, die größte der Welt immerhin, weiterhin auf E-Antrieb umstellen. Kann ja gut sein, dass dies Mercedes-Benz mit seinem E-Vito bei den Verkaufszahlen hilft.

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