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Einstimmige Voten zum Start in die zweiten 25 Jahre

Das Deutsche HolzTreppen-Institut tagt in malerischer Klosterkulisse in Fulda – und verjüngt den Vorstand. Die DHTI-Treppenbau-Fachtagung am zweiten Tag ist Fortbildung auf höchstem Niveau und zeigt, wie die Künstliche Intelligenz (KI) den Treppenbauern nützlich sein kann. Der Wohnhandwerker war im Kloster Frauenberg dabei.

25 Jahre DHTI! Das Deutsche HolzTreppen-Institut feiert im Rahmen einer Mitgliederversammlung und einer Fachtagung in Fulda Geburtstag - und wählt seinen Vorstand neu (von links): Peter Bruxmeier (Geschäftsführer), Bernd Seim, Michael Paltian, Josef Ries (Vorsitzender), Michael Nennen, Berthold Luft (Ehrenvorstand). Foto: Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar

Mitgliederversammlung: Wohl dem, der im wunderschönen ehemaligen Refektorium, des Klosters Frauenberg in Fulda tagen kann. Foto: Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar

Traumhaft: Das Kloster Frauenberg in Fulda kann sich als Tagungsstätte sehen lassen Foto: Wikipedia/Verum

Fortschritt: Durch die digitalen Aufmaß-Möglichkeiten der Firma Flexijet können Schreiner und Treppenbauer viel Zeit sparen, sagt Vertriebschef Armin Weber. Foto: Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar

Durchblick: Der Farbenhersteller ADLER aus Österreich zeigt einen Pfad durch den Dschungel der Umweltzertifikate. Foto: Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar

Wo Luft ist, ist auch Leben!“ Wie wahr, wie wahr… Aber nicht die Binsenweisheit soll hier Thema sein, sondern eine ganz besondere Ehrung für – Obacht – Bertold Luft. Der engagierte Treppenbauer aus Reuth im sächsischen Vogtlandkreis wird bei der Mitgliederversammlung des Deutschen HolzTreppen-Instituts (DHTI) für 25 Jahre Vorstandsarbeit geehrt – und verabschiedet. Seine Tränen waren echt, die Würdigung angemessen! „Ich möchte mich für eine schöne und interessante Zeit bedanken, in der ich mit Kollegen aus ganz Deutschland offen und ehrlich reden konnte. Aber jetzt sollte ein Jüngerer meinen Posten übernehmen.“

Und der heißt Michael Nennen, stammt aus Mönchengladbach, hat in seinem Schreinerbetrieb rund 30 Mitarbeiter beschäftigt und bezeichnet sich selbst als „technikaffinen Zeitgenossen mit dem Thema Automatisierung als Steckenpferd“. Das passt perfekt, zumal der sehr offenherzige Kollege glänzende Geschäfte mit gut betuchten und anspruchsvollen Kunden aus Düsseldorf macht, die größten Wert auf Qualität und innovatives Handwerk legen. Eine gute, eine einstimmige Wahl, wie alle Voten an diesem Tag im Tagungskloster Frauenberg in Fulda.

Warum Fulda als Tagungsort des DHTI? Nun, die Stadt mit dem wunderschönen Barockviertel, dem Dom St. Salvator, der malerischen Altstadt, dem berühmten Paulustor und dem nicht weniger sehenswerten Hexenturm liegt etwa in der Mitte Deutschlands und ist verkehrstechnisch via Autobahn und ICE-Halt perfekt angebunden. Auch dies: eine gute Wahl!

Zu Beginn der Mitgliederversammlung berichtet der Vorstandsvorsitzende Josef Ries aus Quierschied vor 19 Teilnehmern, dass das DHTI jetzt eine eingetragene Wort- und Bildmarke ist und dass zwei ETAs in Bearbeitung sind. Zum Hintergrund: Im Bauwesen ist eine Europäische Technische Bewertung (ETA) ein essenzieller Leistungsnachweis, der den Weg zur CE-Kennzeichnung für nicht genormte Bauprodukte ebnet. Sie definiert den rechtssicheren Rahmen für Versuche und Konstruktionsmöglichkeiten – und ist für Treppenbaubetriebe von enormer Bedeutung.

Die CE-Kennzeichnung (kurz für Conformité Européenne) ist übrigens ein verpflichtendes Konformitätszeichen. Der Hersteller erklärt damit, dass das Produkt allen grundlegenden Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltschutzanforderungen der EU entspricht. Es ist die zwingende Voraussetzung, um Produkte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) in Verkehr zu bringen.

Dann wird gewählt, der Vorstand umfasst vier Mitglieder. Neben Michael Nennen werden ohne Gegenstimme bestätigt: Josef Ries als Vorstandsvorsitzender, Michael Paltian als sein Stellvertreter und Bernd Seim.

Es folgt der Part des neuen DHTI-Geschäftsführers Peter Bruxmeier, der die einwandfreien Zahlen der Jahre 2023 bis 2025 präsentiert und – nach Kassenprüfung und Entlastung – auch die Haushalte der Jahre 2025 bis 2027 fix macht. Das alles ist angenehm unspektakulär, gut vorbereitet und wenig zeitintensiv.

Da bleibt Zeit, um noch einmal festzuhalten, dass die wichtigste Arbeit des DHTI die Normungsarbeit ist und die DIN 18065 in Überarbeitung ist und mutmaßlich zwischen Anfang und Mitte 2027 greifen wird. Josef Ries ist bei solch filigraner Feinarbeit bestens im Bilde und vermag anschaulich zu erläutern, warum diese vermeintlich trockene Detailarbeit von enormer Wichtigkeit ist: „In der Theobald-Ziegler-Schule in Frankfurt am Main wird seit Monaten das Treppenhaus von teurem Sicherheitspersonal überwacht, weil das Treppengeländer nicht exakt die richtige Höhe hat und die Schulleitung Angst hat, dass etwas passiert.“ Der 77-jährige Vorstandsvorsitzende ist beeindruckend gut informiert und führt das DHTI mit rund 70 Mitgliedsbetrieben nicht ohne Grund.

Die DHTI-Treppenbau-Fachtagung tags darauf wartet mit fünf Vorträgen auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und den fast 40 Teilnehmern einen enormen Mehrwert bieten. Da wäre zum einen die Farbexpertise des neuen DHTI-Mitglieds ADLER aus Österreich, die in Fulda durch Heico Cuwalski und Manuel Mathes vertreten sind und die Vorzüge des Legno Smart-Öls von ADLER für den Holztreppenbau dem Fachpublikum näherbringen. Dieses bekommt eine profunde Führung durch den Zertifizierungs-Dschungel in Sachen nachhaltiges Bauen unter dem Dach der DGND, der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit hat sich in der Planungs- und Baupraxis längst von einem Modebegriff zur wohl wichtigsten Leitlinie entwickelt, so die These von ADLER. Dabei geht es um weit mehr als die reine Betrachtung von ökologischen Themen oder Aspekten der Energieeffizienz. Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt steht im Sinne der DGNB synonym für Qualität und Zukunftsfähigkeit. Das überzeugt, auch weil nochmals betont wird, dass Holztreppen gegenüber Betontreppen immer energetisch im Vorteil sind und die Fachleute erfahren, dass Holztreppen vor dem Ölen zu wässern sind, weil dadurch die Oberfläche um 30 Prozent vergrößert wird und deshalb mehr Öl aufnehmen kann.

Punkt zwei der Tagesordnung ist die digitale Vermessung mit Flexijet, die Schreinermeister und CAD-Fachmann Armin Weber aufs Anschaulichste vermittelt. Die These des Vertrieblers von Flexijet: „Präzise Planung fängt mit dem digitalen Aufmaß an.“ Holztreppenbauer, die Zeit, sehr viel Zeit sparen wollen, sollten die Flexijet-Pakete ins Kalkül ziehen. „Nicht ganz billig, aber lohnend“, so der Tenor.

Dann ein profunder Vortrag über „Geländer und Umwehrungen – Statische Nachweise aus der Praxis“ von Prof. Dr.-Ing. Robert Kanz, den Josef Ries gleich für zwei Fachbeiträge gewonnen hat. Nummer zwei bewertet die „DHTI-Holm-Satteltreppe – ETA-Versuche und Konstruktionsmöglichkeiten“ und wird vom Fachpublikum mit großem Interesse aufgenommen.

Nicht weniger spannend aber einfacher zu erklären ist das „KI-Praxis-Case – Automatisierung von Bautagesberichten“ von Tobias Scheid, der mit seinem Unternehmen „Qoffee.ai“ das Tool „AutoTB Pro“ vorstellt: „Mit unseren digitalen Bautagesberichten können Ihre Mitarbeiter den Fokus voll auf die Baustelle legen und hinterher per Spracheingabe ihre Tätigkeiten in unsere App sprechen. Garantiert 95 Prozent Zeitersparnis und 100 Prozent digital.“ Mit diesem Fazit endet die vollumfänglich analoge Tagung, die Fortbildung auf höchstem Niveau geboten hat.