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Der Krise keine Chance

Laut den Prognosen des Kreditversicherers Euler Hermes rollt eine beispiellose Pleitewelle auf die deutsche Wirtschaft zu. Und nicht nur auf die. Bis Ende 2021 geht die Allianz-Tochter von einem Anstieg der globalen Insolvenzen um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2019 aus. Was bedeutet das für Wohnhandwerker?

Bildnachweis: inplan-media

Wenn die Auftragsbücher voll sind und die Kunden schleppend zahlen, hat der Wohnhandwerker Handlungsbedarf beim sogenannten Forderungsmanagement. Dieses Instrument kaufmännischer Unternehmensführung dürfte in den nächsten Wochen und Monaten eine zunehmend größere Rolle spielen.

 

Wann kommt die Insolvenzwelle?

Wie titelt etwa das Creditreform- Magazin im Juli 2020: „Rette sich wer kann – wann kommt die Insolvenzwelle?“ Hintergrund dafür ist unter anderem die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende September des Jahres. Dr. Carsten Uthoff von der Creditreform Saarbrücken sagt dazu: „Wir hatten bisher im ersten Halbjahr 2020 deutschlandweit gerade einmal 8.900 Insolvenzanmeldungen durch Unternehmen, so wenig wie nie. Viele Unternehmen konnten sich bisher mit staatlichen Unterstützungsleistungen über Wasser halten. Aber das große Erwachen kommt noch: Denn wir haben eine weltweite Rezession und die führt für die Exportnation Deutschland zwangsläufig zu einer Zunahme bei den Insolvenzen.“

Frank Eisenbarth, Leiter Gewerbekunden und Freie Berufe bei der Bank1Saar, warnt vor einem Dominoeffekt: „Wir haben ganze Branchen, die von Corona schwer belastet wurden und in denen mit viel Engagement ums Überleben gekämpft wird – beispielsweise Gastronomie, Touristik oder die Eventbranche. Wer hier als Schreiner seine Kundschaft hat, wird die Stornierungen und rückläufige Auftragseingänge mit Sicherheit bemerkt haben. Und wenn mich meine Kunden nicht bezahlen können, gerate ich selbst schnell bei meinen Gläubigern in Rückstand.“

 

Welche Gegenstrategie kann ich als Wohnhandwerker ergreifen?

Die Diversifikation im Kundenportfolio wäre da natürlich ideal – allein, sie lässt sich nicht rasch umsetzen, zumal damit zu rechnen ist, dass auch Privatkunden beginnen, Aufträge zurückzuhalten. „Zudem gibt es eine Tendenz bei Verbrauchern, immer kritischer zu werden und hier und da Beträge wegen vermeintlicher Mängel einzubehalten“, so Michael Peter, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar.

Neben den mittlerweile wegen zahlreicher unberechtigter Auszahlungen in die Diskussion geratenen Soforthilfen gibt es weiterhin wichtige Unterstützung durch den Staat. „Das KfW-Corona-Kreditprogramm ist eine gute Hilfestellung, verlangt aber, dass der Antragsteller noch bis Ende 2019 wirtschaftlich gesund war und erst durch Corona in Schieflage geraten ist“, so Uthoff. „Hier bietet Creditreform mit dem ‚Bonitätsnachweis 2019‘ einen kostenlosen Nachweis der Bonität des eigenen Unternehmens für die Zeit vor Corona. Das erleichtert der jeweiligen Hausbank und dem Unternehmen selbst erheblich die Antragstellung bei der KfW.“

Allein, die staatliche Hilfe ist die eine Seite, die andere: die Selbsthilfe. Wie heißt es so schön: Schnelles Geld ist gutes Geld – und da ist wirklich etwas daran. Handwerker sind da manchmal etwas nachlässig oder zu großzügig. Rechnungen müssen einfach zeitnah geschrieben werden und die höfliche Erinnerung sollte erfolgen, wenn das Zahlungsziel überschritten ist. Uthoff: „Es gibt schon zu denken, wenn wir jetzt über alle Branchen hinweg feststellen müssen, dass es zu einem Tag Verzug kommt, also zum Beispiel statt nach 30 Tagen nach 31 Tagen gezahlt wird. Skonto war einmal – die Zahlungsmoral hat sich im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit bereits verschlechtert.“ Creditreform empfiehlt daher konsequentes Mahnen, verfehlte Großzügigkeit könne später sehr teuer werden.

 

Wann gerät der Kunde in Verzug?

Das Gesetz sieht vor, dass ein Unternehmer automatisch in Verzug gerät, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Empfang der Gegenleistung zahlt. Es bedarf also noch nicht einmal des Zugangs einer Rechnung, noch viel weniger einer Zahlungserinnerung oder Mahnung. Anders beim Verbraucher als Kunden, der gerät nur dann automatisch in Verzug, wenn er auf die 30-Tage-Zahlungsfrist und deren Folgen schon in der Rechnung aufmerksam gemacht wurde. Man sollte natürlich eine wertvolle Geschäftsbeziehung nicht infrage stellen, indem man nach Ablauf der 30-Tage- Frist gleich einen Mahnbescheid beantragt. Wenn man aber dann am Telefon vom Geschäftspartner vertröstet wird und auf eine freundliche Erinnerung keinerlei Reaktion erfolgt, sollte man eigentlich ahnen, wohin diese vermeintlich gute Geschäftsfreundschaft führen kann. „Häufig sind es gerade die guten und langjährigen Bekannten, die den Handwerker als Kreditgeber missbrauchen und im Zweifel hängen lassen“, so Eisenbarth.

 

Kann man die faulen Kunden von vornherein aussortieren?

Man sieht es dem Gegenüber ja nicht an, ob er nicht zahlen kann“, so Rechtsanwalt Michael Peter. Oft kennen die Betriebe aber ihre Vertragspartner nicht genau. Man müsse aber wissen, wie die bestellenden Eheleute mit Vornamen heißen oder wie der bestellende Gewerbekunde firmiert. Denn ohne diese Angaben gibt es keinen Vollstreckungstitel und keine Beitreibung. Peter: „Handelt es sich etwa um eine UG, ist in der Regel kein haftendes Kapital vorhanden.“ Letztlich habe man die größten Chancen, seine Forderungen zu realisieren, wenn man vorab die Bonität des Auftraggebers gecheckt habe.

In diesem Zusammenhang ist die Warenkredit- oder Forderungsausfallversicherung laut Eisenbarth für den Handwerker in der jetzigen Krise aktueller denn je. „Ja, sie kostet Geld“, räumt er ein. Aber einerseits gebe sie die Sicherheit, im Fall der Fälle entschädigt zu werden. Andererseits könne die Deckungsprüfung vor Auftragsannahme dabei helfen, bereits im Vorfeld „die Spreu vom Weizen zu trennen“ und sich auf die belastbaren Aufträge zu konzentrieren.

 

Welche weiteren Sicherungsmittel gibt es für Wohnhandwerker?

Abschlagsrechnungen helfen weiter – oder die Bauhandwerkersicherung gemäß Paragraf 650 f des BGB. Die Sicherheit besteht in Form einer Garantie eines Kreditinstituts oder eines Kreditversicherers. Allerdings hat der Wohnhandwerker dann eben noch kein Geld, sondern nur eine Sicherheit. Eine Alternative ist etwa das Factoring, also der Verkauf der Forderung an einen Dritten. Der dadurch fällige Abschlag wird ausgeglichen durch ein Mehr an Liquidität.

 

Mehr Infos:

www.creditrefom.de

www.bank1saar.de

www.schreiner.saarland

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