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Jungmeisterin fördert afrikanisches Nachhaltigkeitsprojekt

Judith Pollmer aus dem malerischen Weinort Kenn bei Trier hat für ihr Meisterstück neben heimischer Eiche bordeauxrotes Rindentuch aus Afrika verwendet – das älteste Textil der Menschheitsgeschichte.

Bildnachweise: Jennifer Weyland, Bark Cloth Europe, Judith Pollmer, inplan media

Dies ist das Porträt einer Jungmeisterin, deren Meisterstück etwas ganz Besonderes ist – weil es eine Geschichte erzählt, die es in sich hat und doch beinahe unerzählt geblieben wäre. Bei ihrem von der Jury hochgelobten und bewerteten Meisterstück handelt es sich eben nicht nur um einen schön anzuschauenden und wohnzimmerzierenden Weinschrank für zwölf Gläser und ebenso viele Flaschen. Nein, das Möbel folgt einer faszinierenden Idee, ja einer Philosophie, die sich auf Nachhaltigkeit und Nutzen gründet und sich nur dem offenbart, der gerne über den Tellerrand blickt und Helfen für eine Selbstverständlichkeit hält. Aber der Reihe nach!

Judith Pollmer heißt die junge Frau, die nie etwas anderes werden wollte als Schreinerin. Dass die 27-Jährige jetzt ihren Meister gemacht hat, folgt also einem lang gehegten Wunsch und kommt nicht von ungefähr. Schon als kleines Mädchen wurde sie sozusagen täglich mit dem wundervollen Werkstoff Holz konfrontiert – und dafür begeistert. Ganz einfach deshalb, weil ihr Vater als angestellter Schreiner auch im eigenen Haus immer was zu werkeln hatte. Nur logisch, dass das Schulpraktikum sie in eine Schreinerei geführt hat, der sie nach ersten Schnuppertagen, Lehre und jetzt nach der Meisterprüfung als angestellte Meisterin bis heute treu geblieben ist. Was wenig wundert, bei dem Namen, den sich ihr Chef für seinen Betrieb ausgedacht hat: „holzlust.“!

Dort arbeitet sie erkennbar gerne, nicht zuletzt deshalb, weil es „nicht so ein automatisierter Schreinerbetrieb“ ist, sondern noch ein echter Handwerksbetrieb, der sich auf individuelle Möbelfertigung spezialisiert hat. Der Betrieb von Johannes Kreten in Schweich versteht sich – laut sympathischer Selbstauskunft – als Kleinbetrieb (drei Meister, ein Geselle, zwei Azubis): „Diplomdesigner, Schreinermeister und -gesellen arbeiten seit Jahren zusammen und sind ein eingespieltes Team. Wir geben die Begeisterung für unser Handwerk weiter und bringen mittlerweile fast jedes Jahr einen weiteren, gut ausgebildeten, Gesellen hervor.

“ So wie Judith Pollmer, die jetzt sogar zur Meisterin gereift ist. Wofür ihr Chef steht, das entspricht auch ihrem Selbstverständnis: „Klar haben wir immer Lust auf Holz, aber andere Materialien gehören ebenso zu unserem Repertoire. Je nachdem, was der Entwurf fordert, verarbeiten wir unterschiedliches Plattenmaterial, Schichtstoffe, Linoleum und etwa Rindentuch. Natürlich furnieren wir auch, achten insgesamt auf eine ressourcenschonende Verwendung. Massivholz, nicht selten aus selbst eingeschnittenen Bäumen aus der Gegend, ölen wir am liebsten, aber andere Oberflächentechniken wie beizen und lackieren gehören ebenso zu unserem Handwerk. Kurz gesagt: Wir können alles. Und was wir selbst nicht können, lassen wir von befreundeten Handwerksbetrieben anderer Gewerke oder von spezialisierten Firmen herstellen.“

Und weil ihr Chef in der lobenswerten Initiative „Handwerk hilft“ engagiert ist, hat Judith Pollmer ein Material in ihrem Meisterstück verarbeitet, das eine besondere Geschichte erzählt. Das Baumrindenvlies (englisch Bark Cloth, zu Deutsch Rindentuch) aus Uganda gilt als ältestes Textil der Menschheitsgeschichte. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die edelsten dieser Tücher den Monarchen der zweitältesten Dynastie der Erde, des fast tausendjährigen Königreichs Buganda, vorbehalten. Die handwerkliche Herstellung des Rindentuchs wurde 2005 von der UNESCO zum „Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Kulturerbes“ deklariert und 2008 in die Liste der Kulturgüter des immateriellen Welterbes eingetragen.

Die sich permanent erneuernde Rinde des ostafrikanischen Feigenbaums „Mutuba“ wird jährlich geerntet, ohne den Baum zu fällen. Sie ist die Basis für eine breite Palette von Textilien und Verbundwerkstoffen, die durch energiearme, teils gänzlich CO2-emissionsfreie Verfahren gewonnen und unter dem Namen „BARKTEX“ vertrieben werden.

Ein uralter Mythos aus Uganda berichtet, dass der Mensch durch den Feigenbaum auf die Erde trat, um sie in Besitz zu nehmen. Die moderne Archäologie bestätigt Afrika als Wiege der Menschheit. Und jeder Kenner, der einmal ein Stück Rindentuch in seinen Händen hielt, versteht den Kern dieses Mythos: die enge Symbiose zwischen Mensch und Baumrinde als eine uralte, gewachsene Beziehung.

Und das von Judith Pollmer für ihr Meisterstück verwendete bordeauxrote Rindentuch aus Afrika ist solch eine handschmeichelnde Zierde für ihr selbst entworfenes Sideboard aus Eiche, das sie en détail wie folgt beschreibt: „Das Sideboard, welches für den Wohn- und Essbereich gedacht ist, ist aus massiver Eiche und wurde mit farblosem Öl geölt. Mit Gestell ist das Sideboard 1,5 Meter lang, 91 Zentimeter hoch und hat eine Tiefe von 500 Millimetern. Der Korpus mit seiner Schweizer Kante, ist in drei Bereiche unterteilt: links für Wein- und Sektgläser sowie Weinflaschen, in der Mitte drei Schubkästen für Besteck, Servietten, Flaschenöffner und rechts zwei Fachböden für Geschirr. Die drei Schubkästen in der Mitte des Korpus sind 180 Millimeter hoch und handgezinkt. Sie werden ebenfalls durch Kulissenauszüge geführt und bieten genug Stauraum für Besteck, Servietten und Flaschenöffner. Das Gestell ist 200 Millimeter hoch. Schaut man von vorne auf das Gestell, sieht man rechts und links je ein Kantholz von Unterkante Bein schräg nach oben ins Querholz gehen. Verbunden sind diese mit einem Strebenzapfen mit Versatz. Getrennt sind Korpus und Gestell mit einem zehn Millimeter starken Eichenrahmen, welcher rundherum fünf Millimeter eingerücktist. Mein persönliches Highlight: Die Front aus 16 Millimeter starkem schwarzem MDF ist einseitig mit rotem Rindentuch belegt. Eiche-Anleimer bilden einen schönen Rahmen. 16 Millimeter breite Eichenleisten, welche kreuz und quer in die Front eingelassen wurden, bilden ein einzigartiges Bild. Einzelne Leisten und Anleimer springen vor und dienen so als Griff. Für den besseren Anpack sind in den Griffen kleine Mulden gefräst.“

Letztlich aber ist das eindrucksvolle und so besondere Möbelstück, das inzwischen Judith Pollmers Wohnzimmer in ihrem Heimatort Kenn ziert, tatsächlich den Aktivitäten des Vereins „Handwerk hilft e. V.“ zu verdanken. Dieser ist aus einer Initiative der Schreinerinnung Trier-Saarburg entstanden. Satzungsgemäßes Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die Realisierung sozialer Projekte. Dabei spielt die Förderung schulischer und beruflicher Ausbildung eine tragende Rolle. „Gemeinsam mit Kooperationspartnern setzt sich Handwerk hilft für die Verbesserung der schulischen und beruflichen Situation von Lehrlingen in der Ausbildungsschule Centre des Jeunes in Gatenga, einem Stadtteil der ruandischen Hauptstadt Kigali, ein. Akuter und dringlicher Unterstützungsbedarf besteht in der Finanzierung der Lehrergehälter und der einzelnen Ausbildungs- und Internatsplätze. Die Vereinsziele gehen mittelfristig auch in die Bereiche Verbesserung und Ausbau des Maschinenparks und in die Förderung des interkulturellen Austauschs. Vorrangig ist jedoch derzeit die Hilfe beim Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung des Berufsbildungszentrums.

Es sagt wohl alles, dass Jungmeisterin Judith Pollmer davon begeistert ist und ihr Meisterstück eine wichtige Spur nach Afrika legt…

Mehr Infos:

www.barktex-shop.com

www.handwerk-hilft.de

www.holzlust.com

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