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Volle Hütte, bayerische Köstlichkeiten und brisante Themen auf der Alm

Der gemeinsame Frühjahrsempfang der Wohnhandwerker auf der Redener Bergmanns-Alm war ein voller Erfolg – auch weil die beiden Bundestagsabgeordneten Nadine Schön (CDU) und Markus Tressel (Grüne) sehr offen über die realistischen Chancen von Schwarz-Grün gesprochen haben.

Bildnachweise: HKH Saar / Thomas Seeber

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, zum Frühjahrsempfang mit Politprominenz eine Holzbläsergruppe einzuladen. Sollte hier etwa den Bundestagsabgeordneten zünftig der Marsch geblasen werden? Nein, weit gefehlt. Die Jagd- und Alphornbläser St. Hubertus aus Reimsbach spielten Stücke wie „Berglar Ruf“, „Enzian Polka“ und „Jenseits des Tages“ – kein Marsch weit und breit. Die sieben Musiker waren gekommen, um die Gäste unterhaltend und authentisch einzustimmen auf ein kalt-warmes Buffet mit bayerischen Klassikern und natürlich auf den Weißwurstempfang zu Beginn einer Veranstaltung, die als rundum gelungen bezeichnet werden muss.

Okay, der Andrang war gefühlt doppelt so groß, wie die Zahl der Voranmeldungen es hat erahnen lassen. Doch dies könnte man auch als Kompliment an die Programmmacher und Veranstalter interpretieren. Also ein gern genommenes Luxusproblem, das die Gastronomie der Redener Bergmanns- Alm mit bravouröser Flexibilität und Improvisationstalent zu meistern wusste. Kompliment!

Ja, der gemeinsame Frühjahrsempfang der Wohnhandwerker in luftiger Höhe und Hüttenzauber-Ambiente war unterhaltend, informativ und auch kulinarisch ganz weit vorne. Dazu passend auch die guten Nachrichten von Karl Friedrich Hodapp zur Begrüßung: Der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar konnte stolz verkünden, dass die schwierige Finanzierung der geplanten Modernisierung der Schreinerlehrwerkstatt in Von der Heydt endlich in trockenen Tüchern ist. Es kann also gebaut werden (siehe auch Editorial auf Seite 3).

Dann der spannendste Teil der Veranstaltung: Eine politische Diskussionsrunde mit den saarländischen Bundestagsabgeordneten Nadine Schön (CDU) und Markus Tressel (Grüne) über die neue politische Farbenlehre und die Frage: Regieren künftig Schwarz und Grün gemeinsam? Moderator und Verbandsgeschäftsführer Michael Peter wollte von der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion und vom grünen Bundessprecher für Ländliche Räume und Regionalpolitik wissen, ob das Saarland bald schwarz-grün oder gar grün-schwarz regiert werde? Und wie sieht es im Bund aus?

Nadine Schön lässt zuerst die Katze aus dem Sack: „Es gibt tatsächlich viele Übereinstimmungen“, sagt die 36-Jährige und meint damit die Themenschwerpunkte Nachhaltigkeit und Familienpolitik. Es gebe aber auch sehr, sehr unterschiedliche Ansichten, etwa in Sachen Umwelt und Wirtschaft. „Wir sollten hier nichts romantisieren“, so die Politikerin aus Lebach, die seit 2009 für ihre Partei im Bundestag sitzt. In der Folge aber gibt sie jede diplomatische Zurückhaltung auf und lässt unverhohlen ihre Sympathie für die schwarz-grünen Gedankenspiele durchblicken: „Ich fand es extrem schade, dass die Jamaikakoalition im Saarland so früh zerbrochen ist, schließlich waren wir die ersten, die das Experiment mit Grünen und der FDP gewagt haben. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich daran erinnern, dass die Regierung seinerzeit weder an der CDU noch an den Grünen gescheitert ist.“ Auch sagt sie ohne Umschweife, dass sie Jamaika im Bund am besten gefunden hätte – und auch da sei am Scheitern der Verhandlungen ja die FDP schuld gewesen. Großes Ausrufezeichen! Das war ein klarer Hieb gegen die liberalen Zickereien und Ränkespiele und ein (für Politiker) ungewöhnlich offenes Bekenntnis für Schwarz-Grün. Natürlich unter Bedingungen.

Die Nöte der großen Koalition in Berlin vor Augen erscheint es durchaus ein attraktiver Versuch, dass die Partner einer künftigen Regierung jeweils eigene Programmpunkte durchbringen und zugleich schmerzhafte Kompromisse machen. Dass Parteien sich aber programmatisch gegenseitig neutralisieren und dadurch ihre Unterscheidbarkeit verlieren, sei einer der Gründe für die großen Probleme, mit denen die Volksparteien derzeit zu kämpfen haben. Gemeint ist Politikverdrossenheit.

Dem kann auch der politische Gegner Markus Tressel im Grundsatz zustimmen, der für sich reklamiert, Schwarz- Grün zwar nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste zu haben, derartigen Farbenspielen aber dann Sympathien abgewinnen kann: „Wenn die Chance besteht, dass eine solche Regierung die Republik fit für die Zukunft machen kann.“ In dieser Problematik sieht der 42-Jährige die größten Baustellen, sowohl im Saarland als auch im Bund. „Ja, die CDU und wir haben durchaus Gemeinsamkeiten“, heißt das im Originalton, „aber ich bin gegen klassisches Blöckedenken. Mich interessiert vielmehr, dass und wie wir das Land nach vorne bringen können. Experimente sollten wir woanders machen.“ Übersetzt aus dem kryptischen Politiker- Deutsch meint der saarländische Landesvorsitzende der Grünen: „Klar wollen wir künftig mitregieren, aber nicht um jeden Preis.“

Nadine Schön und Markus Tressel sind sich in dieser Diskussion in vielen ihrer Einschätzungen erstaunlich einig. So nickt der Politiker aus Saarlouis auffallend deutlich, als Nadine Schön für ein „programmatisches und nicht dogmatisches“ Vorgehen bei der Wahl der nächsten Koalitionspartner im Bund und im Saarland wirbt. Auch als sie die „realpolitische Vorgehensweise der Grünen“ in den derzeit bestehenden Koalitionen in Hessen und Schleswig-Holstein lobt, ist seine Reaktion anerkennend-positiv.

Alles entscheidend sei aber, so Tressel, dass es „zwei selbstbewusste Partner“ sind, die in Zukunft eine Koalition eingehen, und die „eine gemeinsame Linie nach außen vertreten“. Und: „Es kann funktionieren, aber das hängt maßgeblich von den handelnden Personen ab.“ Da muss man ihm uneingeschränkt recht geben und feststellen, dass sich bei diesem Frühjahrsempfang der Wohnhandwerker zwei Bundespolitiker präsentiert haben, die offensichtlich miteinander können und gegenseitig Respekt voreinander haben – bei allen politischen Unterschieden ihrer bürgerlichen Parteien. Soll heißen: Für das Beste aus beiden Welten sind beide im Zweifel zu haben!

Wenn solch eine Konstellation in Frage komme, müsse man konsequent „ideologische Grenzen an den Rand schieben“. Und Tressel weiter: „Wir brauchen ein klares Programm für die Zukunft.“ Gefragt, in wieweit das konservativ- grüne Koalitionsexperiment in Österreich als Vorbild taugt, verweist er – zu Recht – auf die sehr speziellen Strukturen in der Alpenrepublik, sagt aber auch, dass die Koalition in der jetzigen Situation „sehr klug gemacht“ sei, weil jeder seine Identität bewahrt hat. Immer wieder streckt Tressel die Hand in Richtung CDU aus, indem er Kompromissbereitschaft an vielen Stellen signalisiert: „Man muss über seinen Schatten springen, wenn es um das Wohl und die Zukunft des Landes geht. Inhaltlich muss sich natürlich jeder wiederfinden.“

Auch hier stimmt ihm sein weiblicher Widerpart in der Kernthese zu, ohne sich noch weiter aus dem (offenen) Fenster zu lehnen: „Parteien der Mitte müssen untereinander immer koalitionsfähig sein, aber der Markenkern muss klar herausgebildet werden.“ Sagt es und lächelt das vielsagende Nadine- Schön-Lächeln. Starker Auftritt von beiden und spannende Unterhaltung für die Wohnhandwerker – nicht nur bei dieser Thematik.

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