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„Wir investieren jetzt 110 Millionen Euro in die digitale Bildung“

Im großen Wohnhandwerker-Interview positioniert sich die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) zu unpopulären Maßnahmen in der Corona-Krise, überfälligen Infrastrukturmaßnahmen und zur Streichung von Berufsschulstandorten für angehende Schreiner.

Bildnachweise: inplan-media

Wohnhandwerker: Bei unserer Corona-Umfrage im April zeigte sich die große Mehrheit der Wohnhandwerker mit den Maßnahmen von Bundes- und Landesregierung einverstanden. Größere Unzufriedenheit konnten wir nur im Zusammenhang mit dem schulischen Angebot während des Lockdowns feststellen. Häufiger wurde das Unterrichtsangebot kritisiert. Haben Sie diese Kritik auch vernommen? Lag das am jeweiligen Lehrer oder gab es systematische Probleme?

Streichert-Clivot: Wir haben am Freitag, 13. März, entschieden, die Schulen zu schließen. Die Schulen haben an diesem Freitag oder am folgenden Wochenende Lernpakete geschnürt, um sie den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung zu stellen. Wir haben den Schulen im ersten Schritt geraten, auf ihre bewährten Kommunikationswege zurückzugreifen, um den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen. Das war uns am Anfang sehr wichtig, wir haben dann aber sehr schnell eine eigene Lernplattform an den Start gebracht. Unsere Online-Schule Saarland stand wenige Tage später zur Verfügung. Die Schulen hatten also verschiedene Möglichkeiten, um mit ihren Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern in Kontakt zu treten. An den Berufsschulen ist das nicht mehr so ganz das Thema, aber für die Schülerinnen und Schüler war gesorgt und bei uns sind natürlich Rückmeldungen unterschiedlichster Art angekommen. Die Schulen, die in den letzten Jahren von vornherein sehr stark auf individuelles Lernen und Digitalisierung gesetzt haben, waren auf diese Situation sehr gut vorbereitet. Andere haben da Unterstützung benötigt. Aber es haben alle mit ganzer Kraft versucht, den Kontakt zu halten. Sicherlich hat das nicht überall reibungslos funktioniert. Mir ist dabei wichtig, dass angesichts dieser ganz besonderen Situation die Schülerinnen und Schüler ein Lernangebot erhalten haben und sie auch in der Lage waren, zu ihren Lehrerinnen und Lehrern Kontakt aufzunehmen. Ganz viele haben sich in dieser Zeit sehr stark engagiert.

 

Wohnhandwerker: Wie war das mit den Schülern? Haben wir es tatsächlich mit einer „Generation Offline“ zu tun, wie vielfach behauptet wird? Uns wurde immer wieder berichtet, dass viele zu Hause gar keinen Computer haben und somit gar nicht am Online-Unterricht teilhaben können. Was plant Ihr Ministerium gegen diesen Missstand?

Streichert-Clivot: Genauso wie man jetzt gesehen hat, wie unterschiedlich die Ausgangslage an Schulen ist, was die technische Ausstattung und die Breitbandanbindung angeht, genauso ist das natürlich bei den Schülerinnen und Schülern zu Hause auch. Das heißt, uns haben Lehrerinnen und Lehrer geschildert, dass sie die Schülerinnen und Schüler in der Regel zwar erreicht haben, manche aber nur über das zur Verfügung stehende Smartphone. Nicht jede Schülerin und jeder Schüler hat ein geeignetes digitales Endgerät wie Tablet, Laptop oder PC zu Hause. Und wenn solche Geräte zur Verfügung standen, mussten sie mit Geschwistern oder Eltern, die selbst im Homeoffice waren, geteilt werden. Das sind die klassischen Rückmeldungen, die wir erhalten haben. Und wie das immer so ist, wenn viele Menschen auf ein WLAN zugreifen, ist das auch mal zusammengebrochen. Das hat uns gezeigt, wo es schwierig war, mit dem Lernen von zu Hause aus umzugehen. Deshalb hat die Landesregierung im Nachtragshaushalt auch zwei wichtige Beschlüsse gefasst. Der Erste ist, dass wir den Breitbandausbau vorantreiben müssen, das spielt auch für die Schulen eine Rolle und muss jetzt noch schneller passieren. Und natürlich kann ich mit digitaler Bildung nur etwas anfangen, wenn ich im Schulgebäude auch die nötige Ausstattung habe. Das ist der erste wichtige Punkt und der Zweite ist, dass wir jetzt in die individuelle Ausstattung der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schülerinnen und Schüler investieren. Wir wollen die Schulbuchausleihe im Saarland auf eine Medienausleihe umstellen. Das heißt, Schülerinnen und Schüler sollen in der Zukunft über ein eigenes Gerät verfügen, ein Tablet oder einen Laptop, je nach Altersstufe. An den beruflichen Schulen ist es ohnehin schon so, dass die Mittel des Digitalpakts, die der Bund zur Verfügung stellt, genutzt werden, um in individuelle Geräte der Schülerinnen und Schüler zu investieren. Wir verfügen jetzt landesweit über mehr als 110 Millionen Euro, die wir in den Ausbau der digitalen Bildung investieren können.

 

Wohnhandwerker: Es ist ja alles schön und gut mit der Technik, aber was ist mit den Lehrern? Man stellt da ja auch ein gewisses Gefälle zwischen den Lehrern vom Alter her fest. Wie gehen die damit um? Und wir haben auch gehört, dass von den Lehrern teils beklagt wird, dass es eigentlich keine Vorbereitung auf den digitalen Unterricht oder auf den Umgang mit digitalen Medien gibt. Wären vielleicht auch Lehrerfortbildungen notwendig?

Streichert-Clivot: Das ist auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wir haben seit vielen Jahren unsere Fortbildungen zum digitalen Lernen umgestellt. Es gibt viele gute Angebote, wir investieren sehr früh auch in die Lehrerausbildung. Bei uns kommt keine Lehrerin und kein Lehrer an die Schule, die nicht auch eine gute Ausbildung im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens, sowohl an der Universität des Saarlandes als auch dann in unseren Studienseminaren, genossen hat. Wir haben die Fortbildungen jetzt nochmals intensiviert. Es gibt einen hohen Bedarf und wir werden in Zukunft auch die Lehrerinnen und Lehrer mit dienstlichen Geräten ausstatten. Auch sie müssen grundsätzlich auf den digitalen Unterricht vorbereitet sein, aber konkret auch im Falle einer pandemiebedingten Quarantäne-Situation auf entsprechende Geräte zurückgreifen können, mit denen sie auch von zu Hause aus gut arbeiten können. Das werden wir auch mit einer Fortbildung verknüpfen, das ist mir persönlich sehr wichtig. Wer die Fortbildung besucht hat, bekommt ein Gerät. Wichtig ist, dass die Lehrkräfte die Geräte pädagogisch sinnvoll im Unterricht einsetzen können. Das wollen wir mit einer entsprechenden Qualifizierungsoffensive fördern.

 

Wohnhandwerker: Wir wissen, dass die Berufsschule in Saarbrücken über sogenannte Whiteboards, also Aktivpanels, verfügt. Da sind ja eigentlich alle Grundlagen gelegt, aber trotzdem stellen wir in unserem Beispiel CNC-Technik fest, dass es immer wieder Schüler in der zwölften Klasse gibt, die ein Problem im Umgang mit dem PC haben, weil sie nur mit dem Smartphone umgehen können. Hier fehlen einfach die Grundlagen.

Streichert-Clivot: Neben den technischen Fragen nach WLAN, vorhandenen Geräten und der Aktualität der Geräte muss man bei der Digitalisierung auch mal schauen, was sind denn die Grundlagen in der Medienbildung, die wir vermitteln müssen. Wir dürfen ja nicht erst an den beruflichen Schulen mit der Medienbildung anfangen, sondern man muss weitaus früher anfangen. Deshalb spielen diese Themen heute in der Grundschule schon eine Rolle. In dem Alter werden auch viele Kinder zum ersten Mal mit digitalen Geräten konfrontiert, entweder, weil sie es bei ihren Eltern sehen oder weil sie schon früh selbst mit einem Handy oder Tablet ausgestattet sind. Und im Grunde genommen muss man ab der Grundschule schon verstehen, worum es da eigentlich geht. Wie komme ich an wichtige und sichere Informationen und wie gehe ich mit Lern-Apps um? Das ist wichtig, damit das digitale Endgerät nicht nur ein Spielgerät, mit dem man vielleicht noch telefoniert, ist. Stichwort Smartphone. Sondern, dass es eben auch dazu dient, zu lernen. Und da ist die Grundschule der Ort, an dem diese Kompetenzen wachsen. Wir haben aus dem Grund auch einen eigenen Lehrplan entwickelt, der sich mit Medienbildung beschäftigt und der über alle Fächer angewandt wird. Wir sind aus der Phase raus, in der digitale Bildung nur eine Sache des Schulfachs Informatik war. Unser Ansatz ist, zu sagen, dass Medienbildung Bestandteil fast aller Fächer ist. Die unterschiedlichen Fächer können da ihren Beitrag leisten, die Mathematik genauso wie der Deutschunterricht. Das haben wir in unserem sogenannten Basiscurriculum Medienbildung und informatische Bildung gut umgesetzt.

 

Wohnhandwerker: Das heißt, es gibt jetzt nicht mehr ein spezielles Fach Informatik, was ja auch schon in eine ganz andere Richtung weisen würde und sehr speziell ist, sondern das Thema ist in allen Fächern gewissermaßen Teil der Bildung?

Streichert-Clivot: Sowohl als auch. Informatik wird es natürlich weiterhin geben. Wir brauchen auch die Menschen, die später mit ihrem Wissen in die verschiedenen Berufsfelder der Informatik gehen. Aber wenn ich das Thema von Anfang an aufgreife, dann muss ich eben auch deutlich machen, dass es im Grunde genommen in allen Fächern – wie ja auch in fast allen Lebensbereichen – eine Rolle spielt. In der Mathematik ist es, glaube ich, auch naheliegend, logisches Denken spielt eine wichtige Rolle. In den Fächern Deutsch oder Sachunterricht oder im Bereich der Gesellschaftswissenschaften kann ich dann auch Problemfelder der Digitalisierung thematisieren und so die Schülerinnen und Schüler mitnehmen. Und das, was Sie eben genannt haben, das praktische Arbeiten – wie bediene ich zum Beispiel Office-Programme oder wie komme ich dann später, wenn ich in eine Ausbildung einsteige, mit spezialisierten Programmen zurecht – das ist dann auch Teil des praktischen Erfahrens im Unterricht oder auch im Rahmen von Aufgabenplänen. Digitale Bildung hat nicht nur eine Wissenskomponente, sondern auch eine praktische Übersetzung in Kompetenzen, also wie gehe ich mit der Hard- und Software um.

 

Wohnhandwerker: Viele unserer Betriebe machen sich in dem Zusammenhang Gedanken. Sie sagen, wie sollen die mit einem Computer umgehen, wenn sie viele elementare Dinge in der Mathematik oder in deutscher Sprache nicht beherrschen. Läuft da bei uns in der Bildungspolitik etwas schief?

Streichert-Clivot: Neben der Digitalisierung gibt es ein weiteres Feld, das nach wie vor an Schulen sehr wichtig ist und das ist die Förderung der Sprach- und Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern. Lesen, Schreiben und Rechnen sind für mich die Grundkompetenzen, die in allen Klassenstufen wichtig und die Voraussetzung dafür sind, dass ich mich überhaupt mit digitalem Lernen oder mit der Digitalisierung auseinandersetzen kann. Die Schwierigkeit heute ist – und das ist nicht ein ausschließliches Problem der Bildungspolitik, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema –, dass die Digitalisierung ja auch gewisse Prozesse ersetzt. Ich kann heute einen Text in ein Gerät diktieren und das spuckt mir dann den geschriebenen Text aus. Aber ich brauche dann immer noch die Kompetenz, das auch überprüfen und bewerten zu können. Ich kann heute Sprachnachrichten verschicken. Da muss ich gar nichts mehr schreiben, sondern ich versende eine gesprochene Nachricht. Und je mehr ich mich auf diese intelligenten Instrumente verlasse, umso eher komme ich auch von verschiedenen Themen – hier dem Schreiben – ab. Deswegen ist Sprach- und Leseförderung das A und O und ich muss auch immer mal wieder zum Buch greifen und etwas lesen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist auch das laute Vorlesen wichtig. Um zu verstehen, ob ich einen Text beherrsche oder nicht, gehört das für mich dazu. Das ist die eine Sache. Aber jetzt kann ich natürlich nicht sagen, wir bieten das alles an und nehmen andere gesellschaftliche Entwicklungen nicht zur Kenntnis. Ich muss auch sagen, dass wir unsere Schulen entsprechend umbauen müssen, sprich, wie kriege ich die notwendige soziale Expertise in die Schule hinein. Deswegen bauen wir die Schulsozialarbeit auch aus, weil wir eben sagen, wir brauchen neben den Lehrerinnen und Lehrern auch Sozialarbeiter. Sie können den Kindern helfen, die besonderen Unterstützungsbedarf brauchen. Denn es sind oft gesellschaftliche Fragen, die eine Rolle spielen oder eben auch Themen wie Freundesumfeld oder Familie. Dort sind die Schulsozialarbeiter eben auch in einer wichtigen Funktion und können mit den Schülerinnen und Schülern an der Schule gut arbeiten.

 

Wohnhandwerker: Das war ja schon gewissermaßen die Antwort auf meine nächste Frage, weil es ja immer wieder feststellbar ist, dass gerade die, die immer engagiert mitarbeiten, zum Beispiel, die bei uns Abitur haben, dann diejenigen sind, die Antwort auf die per E-Mail gestellten Fragen geben und die sich auf der Plattform einloggen. Bei anderen, die eher aus dem Bereich der Bildungsferne kommen, was meist unmittelbar mit dem sozialen Umfeld zusammenhängt, sind die Schulsozialarbeiter das Mittel der Wahl. Oder gibt es da noch andere Aspekte?

Streichert-Clivot: Wir werden die Schulsozialarbeit gemeinsam mit den Landkreisen und dem Regionalverband jetzt ausbauen. Pro Jahr werden Land und kommunale Seite insgesamt zehn Millionen Euro investieren, um mit den entsprechenden Fachkräften die Schulen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Ein weiterer wichtiger Punkt, wie wir mit Schülerinnen und Schülern umgehen, die unsere Unterstützung brauchen, ist sicherlich auch, einen Blick auf das berufliche Bildungsziel zu lenken. Mein größter Antrieb ist, jeder Schülerin und jedem Schüler die notwendige Bildung und Ausbildung zu geben, die sie oder er braucht, um ein selbstständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen am Ende die Schule mit einem qualifizierten Schulabschluss verlassen und dann auch auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben, damit zum Beispiel in eine entsprechende Berufsausbildung einzutreten. Um die Hilfe aber auch gezielt an die Schülerinnen und Schüler zu bringen, haben wir ab dem kommenden Schuljahr auch das sogenannte Übergangssystem verändert. Wir gehen von dem klassischen Berufsvorbereitungsjahr und dem Berufsgrundbildungsjahr über in eine Ausbildungsvorbereitung. Das heißt, alles was wir an Ressourcen haben, stecken wir in dieses System hinein, um die Schülerinnen und Schüler aufzubauen, aber auch, um früh über Praktika den Kontakt zu den Betrieben herzustellen. Damit wollen wir den Übergang in eine Berufsausbildung ermöglichen.


Wohnhandwerker: Spezielle Frage zum saarländischen Schreinerhandwerk: Der Berufsschulstandort Saarbrücken wird aufgegeben, zumindest für die Schreiner. Wie sieht das jetzt aus? Ist die Verlagerung der beiden anderen Standorte Neunkirchen und Saarlouis erfolgreich abgeschlossen und was können die Unternehmen und die Berufsschüler von der Zusammenlegung erwarten?

Streichert-Clivot: Es ist so, dass wir vor einiger Zeit ja die generelle Entscheidung getroffen haben, an unseren Berufsbildungszentren im Saarland zum Schuljahr 2021 sogenannte Kompetenzzentren zu schaffen. Das heißt, wir haben uns angeschaut, wie ist die Ausbildungssituation in den Schulen und vor allem wollten die Schulträger auch wissen, wo geht denn die Reise hin. Was müssen wir zukünftig in Sachen moderner Ausbildung erwarten und wo kann es denn Investitionsschwerpunkte auf Seiten der Schulträger geben, um aus Berufsbildungszentren auch moderne Kompetenzzentren zu machen. Da haben wir im Bereich der Bau-, der Baunebenberufe sowie im Holzhandwerk zwei Kompetenzzentren gebildet. Das ist einmal in Saarlouis das Technisch-Gewerbliche und Sozialpflegerische Berufsbildungszentrum, das dort einen Schwerpunkt bildet, und das Äquivalent in Neunkirchen. Die Verlagerung haben wir sehr erfolgreich abgeschlossen. Schülerinnen und Schüler, die diese Standorte dann in ihrer jeweiligen Ausbildung besuchen, können auch erwarten, dass nicht nur die theoretische Expertise der Lehrerinnen und Lehrer oder der entsprechenden Fachkräfte, die dann dort in der Ausbildung tätig sind, auf hohem Niveau ist, sondern auch der technische Standard. Das kommt letzten Endes den Schülerinnen und Schülern zugute.

 

Wohnhandwerker: In jedem Fall ist das duale System in Deutschland ein großer Vorteil. Wir haben nun noch eine etwas kritischere Frage: Uns hat es gestört, und das sagen wir allgemein, wir sind ja auch bei der VSU, und da haben wir auch gelegentlich darüber diskutiert, warum gab es denn keine Leistungskontrollen oder warum das so völlig freigestellt war? Das hat den Eindruck bei den Schülern erweckt, ich kriege ja sowieso keine Note, dann brauche ich mich nicht anzustrengen, ich brauche auch eigentlich nicht teilzunehmen am digitalen Unterricht und das stört ein eher leistungsorientiertes Klientel, wenn man dann feststellt, die dürfen machen was sie wollen und es passiert nichts.

Streichert-Clivot: Ich hoffe doch, dass die Motivation bei den Schülerinnen und Schülern nicht nur aufgrund einer Note entsteht, sondern weil es um gutes digitales Lernen von zu Hause geht. Und das ist ja das, worauf sich Ihre Frage bezieht, weil sie ein gutes, motivierendes Lernangebot kriegen. Ich habe ja berichtet, wie unterschiedlich die Ausgangslage bei den Schülerinnen und Schülern insbesondere auch zu Hause ist. Wenn ich das zur Grundlage mache, dann komme ich zum Ergebnis, dass ich die Note nicht gerecht bei allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen feststellen kann. Im Grunde genommen gibt es in einer Klasse von 25 Schülerinnen und Schülern 25 unterschiedliche Ausgangssituationen zu Hause. Die muss ich in einer Leistungsbewertung auch mit berücksichtigen. Ist das jetzt eine Leistung, die die Schülerin, der Schüler alleine erbracht hat oder die aufgrund der technischen Voraussetzung zu Hause vielleicht auch nur eingeschränkt erbracht werden konnte? Es geht weniger um die Frage der Kontrolle. Bestenfalls haben unsere Lehrerinnen und Lehrer ein sehr genaues Bild davon, wie die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben bearbeitet haben. Aber die Grundlage für eine Note, die ja letzten Endes von gleichen Ausgangsvoraussetzungen im Unterricht ausgehen muss, die war in dem Fall nicht gegeben. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, aus pädagogischen Gründen keine Noten zu vergeben für die Leistungen, die zu Hause erbracht worden sind. Gleichwohl haben aber viele Lehrerinnen und Lehrer ihre Erfahrungen gesammelt – im Positiven wie im Negativen. Das heißt, Schülerinnen und Schüler, die sonst im Unterricht eher zurückhaltend sind, sind teilweise in dieser Phase des Lernens von zu Hause regelrecht aufgeblüht, weil sie ihre Leistung dort unter Beweis stellen konnten. Es gab aber auch Schülerinnen und Schüler, die man auf der Strecke nicht mehr erreicht hat. Insofern war das die richtige Entscheidung und sie müsste auch in einem gleichgelagerten Fall nochmal ähnlich getroffen werden. Wenn man für alle die gleichen Voraussetzungen schaffen würde, könnte digitaler Fernunterricht auch so behandelt werden wie Unterricht im Klassenzimmer. Das ist aber noch ein weiter Weg.

 

Wohnhandwerker: Das wird wahrscheinlich noch weiterhin diskutiert, insbesondere bei den Unternehmen in Saarbrücken gibt es schon Diskussionen. Diese hätten sich eigentlich vorgestellt, dass Saarbrücken einer der Standorte wird, aber ich habe gewisse Sympathie dafür, dass es so ist wie es jetzt ist.

Streichert-Clivot: Wir haben auch die verschiedenen Berufsfelder abzudecken, deswegen war uns auch daran gelegen, am Ende zu sehen, welcher Standort kann welchen Ausbildungsberuf übernehmen. Welche Standorte können das aufgrund ihrer Ausgangssituation. Das war wichtig für die Entscheidungen.

 

Wohnhandwerker: Wir haben die Situation, dass wir immer weniger Berufsschüler und Lehrlinge in unseren Berufen haben, also in den handwerklichen Berufen, und das liegt natürlich allgemein an der demographischen Entwicklung. Haben Sie einen Vorschlag, was Unternehmen tun könnten und damit letztlich auch für die Berufsschulstandorte tun, damit wir da wieder mehr Lehrlinge haben.

Streichert-Clivot: Aus der Erfahrung in ganz verschiedenen Bereichen scheint es mir so zu sein, dass zum einen die Zukunftsfähigkeit eines Berufsbildes für die Auswahl bei den jungen Menschen entscheidend ist, ob sie sich für diesen Beruf entscheiden. Was bietet mir der Beruf, wie zukunftssicher ist er? Da kann das Handwerk gerade auch in der jetzigen Situation zeigen, dass es durchaus krisenfest ist, wenn es auch – wie in jedem wirtschaftlichen Bereich – Ausnahmen gibt. Aber im Grunde genommen ist diese Frage der Zukunftssicherheit sicherlich ein wesentlicher Punkt. Und die andere Frage ist immer auch, wie sind die Ausbildungsbedingungen? Da hören wir auch immer wieder rein, wie die Erlebnisse der Schülerinnen und Schüler letzten Endes sind. Ich glaube, je vielfältiger die Erfahrungen in der Ausbildung sind, umso attraktiver ist der Ausbildungsberuf an sich. Letzten Endes entscheidend ist sicher auch die Ausbildungsvergütung. Die Konkurrenz zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen macht sich letzten Endes auch immer wieder an dieser finanziellen Frage fest. In der Grenzregion kommen auch die Fragen hinzu, wie stark ist die Vernetzung über die Grenze hinweg, welche Entwicklungsperspektiven habe ich in dem Beruf und welche Anforderungen stellt – jetzt in dem Fall das Handwerk – an mich? Die Grenzregion ist auch ein wichtiger Markt für die Handwerksbetriebe. Und ein wichtiger letzter Punkt, wie vermarkte ich den Beruf? Gerade für gut qualifizierte Schülerinnen und Schüler stellt sich immer wieder die Frage, gehe ich den Weg über die Ausbildung oder gehe ich direkt den Weg zur Hochschule? Ich glaube, hier können auch die Betriebe, Unternehmen, Ausbilderinnen und Ausbilder sehr selbstbewusst zeigen, wie attraktiv eine Lehre sein kann und welche Perspektiven sie den jungen Menschen bieten kann.

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