Vom Zauber des Neuen und den Herausforderungen der Zeit
Herr Bruxmeier, Sie sind nun etwas mehr als ein Jahr im Amt und haben in dieser Zeit sehr viel Neues erfahren und kennenlernen dürfen. Was hat Sie bislang am meisten beeindruckt?
Seit der Wahl zum Geschäftsführer durch die Mitgliederversammlung Ende April 2024 konnte ich mir einen guten Überblick über die saarländische Wohnhandwerker-Branche verschaffen. Am meisten beeindruckt hat mich bisher der Stolz und die Leidenschaft unserer Mitglieder für ihr Handwerk und die teilweise bereits über mehrere Generationen gefestigte Verbundenheit zur Innung. Außerdem bin ich immer wieder beeindruckt, wie sehr der Ortsname Von der Heydt mit der saarländischen Schreinerlehrwerkstatt verbunden wird.
Sich in ganz neue Themenfelder einzuarbeiten ist bestimmt ebenso herausfordernd wie spannend. Können Sie ein paar, gerne auch kuriose, Kostproben aus Ihrem Neuwissen geben?
Tatsächlich ist es so, dass ich im letzten Jahr auf viele neue Themengebiete gestoßen bin und nach wie vor jeden Tag etwas dazulerne. Ein besonders spannendes und hochtechnisches Themengebiet sind sicherlich die verschiedenen Treppenzulassungen des Deutschen HolzTreppen-Instituts. Aber auch rund um das Thema Bestattung erlebe ich viel Neues. So konnte ich kürzlich „hautnah“ miterleben, wie eine hygienische Versorgung eines Leichnams durchzuführen ist.
Gab es in diesem ersten Jahr auch etwas, was Ihnen weniger behagt hat, etwas, das in Ihnen den Impuls ausgelöst hat: Das sollten wir dringend ändern oder reformieren?
Natürlich gab es das auch. Beispielsweise machen mir die geringen Ausbildungszahlen Sorgen. Hier müssen wir uns bemühen, das Thema Ausbildung attraktiver zu gestalten.
Können Sie sagen, was Sie in Ihrer immer noch jungen Amtszeit am meisten begeistert hat?
Es freut mich ganz persönlich sehr, wenn ich unseren Mitgliedsbetrieben schnell, unkompliziert und direkt helfen kann. Das ist einfach ein zufriedenstellendes Gefühl.
Angenommen Sie hätten als Verbandsgeschäftsführer einen Wunsch frei. Wie würde dieser aussehen?
Ein lebendiges Verbandsleben mit vielen Angeboten für unsere Mitglieder. Vielleicht ja nicht nur frommer Wunsch, sondern auch zukunftsnahe Realität.
Aus Ihrer E-Mail-Signatur wird ersichtlich, dass Sie jetzt sehr viele Hüte aufhaben. Da wäre einmal die Geschäftsführung des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar e. V., in gleicher Funktion die Führung der Innung für Schreiner, Bestatter und Baufertigteilmonteure im Saarland, dann das Deutsche HolzTreppen-Institut e. V. und die Innung für Raumausstatter, Parkett- und Bodenleger Südwest. Nicht zu vergessen die Aufgaben im Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland. Wie bringen Sie diese ganzen Tätigkeiten in Einklang mit Ihrer ebenso neuen Herausforderung als Vater eines kleinen Jungen?
Das bedeutet durchaus mal längere Tage im Büro und ein gewisses Maß an Flexibilität und Organisation. Herausfordernd sind Wochen, in denen viele unerwartete Ereignisse eintreten, die zu bewältigen sind. Letzte Woche beispielsweise ist die Betreuung unseres Sohnes ausgefallen und mein Sohn musste mich zeitweise in den Verband begleiten, was aber auch dank der Flexibilität meiner Mitarbeiter gut funktioniert hat.
Sie hatten kürzlich einmal angedeutet, dass Sie die frisch renovierten Räumlichkeiten der Schreinerlehrwerkstatt beleben möchten und sich durchaus dort auch andere Aktivitäten vorstellen können, ja, dass es prima wäre, „es wäre immer Leben in der Bude“. Können Sie das inzwischen konkretisieren und ein paar Ideen verraten?
Ja, ich kann schon mal berichten, dass wir beispielsweise unsere Räumlichkeiten unseren Förderkreismitgliedern zur Verfügung stellen. In diesem Jahr werden mehrere Veranstaltungen in Kooperation mit unseren Partnern stattfinden, bei denen unter anderem die neusten Produkte und Techniken vorgestellt werden. Dies ist auch eine gute Möglichkeit, sich weiter zu vernetzen.
Es fällt auf, dass das Handwerk, generell aber auch das Wohnhandwerk, in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht die Rolle spielt, die ihm eigentlich gebührt. Haben Sie für Ihren Bereich den Ehrgeiz und vielleicht schon Pläne, an diesem mutmaßlich unbefriedigenden Zustand etwas zu ändern?
Dies stellt tatsächlich auch in meinen Augen eine Schwierigkeit dar. Der Ehrgeiz, etwas daran zu verändern, ist vorhanden, der Weg dahin jedoch schwierig. Es muss sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene wieder in den Fokus rücken. In meinen Augen hätte man landes- und bundesweit schon früher die Weichen in Richtung Zukunft stellen müssen, um so die Wiederbelebung der gesellschaftlichen Anerkennung des Handwerks voranzutreiben.
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal gesagt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Dennoch die Bitte an Sie, mal einen Blick in die Zukunft zu riskieren, die Sie ja maßgeblich mitgestalten können. Wo sehen Sie den Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar in fünf und wo in zehn Jahren?
Leider besitze ich keine Glaskugel, das wäre aber großartig. Vermutlich werden uns die nächsten zwei Jahre zeigen, in welche Richtung sich unsere Wirtschaft und unser Handwerk entwickeln. Derzeit sind verschiedene Szenarien denkbar. Viele Handwerksbetriebe werden in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach aufgrund der Altersstruktur schließen. Sollte es uns nicht gelingen, die Attraktivität der Selbstständigkeit und die Mitgliedschaft im Verband zu fördern, wird sich die Wohnhandwerker-Landschaft im Saarland umstrukturieren müssen. Bekommen wir die angesprochenen Probleme besser in den Griff, sehe ich den Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar als die Basis und als Netzwerk einer lebendigen Handwerkerszene im Saarland. Dies wäre natürlich mein Wunsch oder wie Helmut Schmidt dazu sagen würde: „Mut zur Zukunft!“