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Alle Achtung, Matthias Thewes!

Der landesbeste Junggeselle hat bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin einen mehr als achtbaren zehnten Platz belegt. Das gab es lange nicht mehr. Sein Chef bei der Schreinerei Dincher in Püttlingen sagt, der 22-Jährige sei ein „echter Holzwurm“.

Bildnachweise: Schreinerei Dincher & Tischler Schreiner Deutschland / art-pix.com

Matthias Thewes ist eine durch und durch positive Erscheinung, ein junger Mann mit Talent und Ehrgeiz, ein Junggeselle, wie ihn sich wohl jeder Betrieb wünscht. Dabei wollte ihn sein Chef erst gar nicht haben. Peter Dincher war nämlich mehr als verwundert, als er auf der Bewerbung den Heimatort des Azubi-Kandidaten gelesen hat: Dorf im Bohnental. Das 316 Einwohner zählende Idyll gehört zur Gemeinde Schmelz im Landkreis Saarlouis – und ist über 40 Kilometer von der Schreinerei Dincher in Püttlingen entfernt.

„Warum um alles in der Welt sollte ich einen Azubi nehmen, der von soweit herkommt und viele Schreinereien in seiner Nähe hat“, sagt der langjährige Landeslehrlingswart und heutige Landesinnungsmeister. Das sei ihm reichlich spanisch vorgekommen. Nach einem Kennenlerntermin aber war klar: „Den musste ich nehmen!“ Beim Gespräch hatte Peter Dincher nämlich erfahren, dass Matthias Thewes nicht einfach so, sondern auf Empfehlung eines geschätzten Schreinerkollegen aus dem Nordsaarland zu ihm gekommen ist. Außerdem war er hartnäckig und ein cooler junger Mann, der die nächste Generation würdig vertreten kann.

Und dass er Abi gemacht hat war auch alles andere als ein Hindernis. „Nur eine verkürzte Lehre deshalb gibt es bei mir grundsätzlich nicht“, sagt der Chef von 16 Mitarbeitern: „Abi nützt dir mit den Händen nichts!“ So kam es wie es kommen musste. Matthias Thewes wurde Musterschüler und Sympathieträger – und bei der Lossprechungsfeier 2024 als Landesbester geehrt. Das berechtigt zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften, an denen die saarländischen Teilnehmer mit konstanter Regelmäßigkeit auf den hinteren Rängen abschneiden. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein- Westfalen haben – allein schon wegen ihrer Größe – bessere Ausbildungsund Fördermöglichkeiten.

Aber Matthias Thewes hat Lust, sich mit den Besten zu messen – und tut das im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Berlin auch. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte und die ihn echt weitergebracht hat, wie er sagt. Nur 18 Stunden, verteilt auf die zwei Wettkampftage, stehen den jungen Talenten zur Verfügung, um aus einem Stapel Holz ein Kleinmöbel zu fertigen. Bewertet werden die Arbeitsproben durch eine Fachkommission, die auf Kriterien wie Maß- und Schnittgenauigkeit, das Passen der Verbindungen sowie das Verhalten der Teilnehmenden untereinander achtet. Zur Preisverleihung entscheidet sich dann, wer neben dem nötigen Geschick auch das richtige Maß an Präzision und Zeitmanagement gefunden hat, um die anspruchsvolle Aufgabe am besten zu bewältigen. Mit einem Spitzenplatz bei den Deutschen Meisterschaften kann es sogar noch weitergehen, denn auch Elias Kleespies und Felix Wilhelm, die beiden WorldSkills-Teilnehmer von Lyon 2024, haben im Laufe ihrer unglaublichen Entwicklung diesen Meilenstein mit Bestleistungen absolviert. Begonnen hatten die Deutschen Meisterschaften im Tischler- und Schreinerhandwerk für Matthias Thewes und seine Mitstreiter bereits drei Tage zuvor mit der Ausgabe von Material und Fertigungszeichnung, bevor nach einer kurzen Nacht der erste von zwei Wettkampftagen startete. 19 Stunden später standen 16 Stumme Diener aus massiver Esche und schwarz durchgefärbter MDF zur Bewertung, die als praktische Kleinmöbel dafür gedacht sind, darauf Kleidung abzulegen oder aufzuhängen. Die besondere Herausforderung dabei: Neben der anspruchsvollen Form mit etlichen Details mussten die Hälfte der insgesamt 16 Verbindungen von Hand hergestellt werden, ganz traditionell, ohne maschinelle Hilfsmittel.

Das beste Ergebnis erreichte nach einhelligem Juryvotum Tobias Kelz aus Bayern. Ausgebildet wurde Kelz in der Schreinerei Herbert Jocham in Marktoberdorf. Platz zwei ging nach Baden-Württemberg an Ruben Keitel, den dritten Platz sicherte sich Johannis Jensen aus Schleswig-Holstein. Noch vor der eigentlichen Preisverleihung kürte TSD-Präsident Thomas Radermacher alle 16 Teilnehmer zu Siegern, allein weil sie sich dem anspruchsvollen Wettbewerb gestellt und ihn bestanden hatten. Zudem strich er die Bedeutung des Handwerks und den zunehmenden Paradigmenwechsel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung heraus: „Das Handwerk wird gebraucht und ich kann Ihnen nur zur richtigen Berufswahl gratulieren“, sagt er an die Nachwuchstalente gewandt. Gleichzeitig ermutigte er sie, die eigene Zukunft im Tischler- und Schreinerhandwerk zu suchen: „40 Prozent unserer Betriebe werden in den kommenden zehn Jahren eine Nachfolge brauchen. Das ist eine riesige Chance für junge Meisterinnen und Meister – und insbesondere für jene, die ihr Potenzial bereits in jungen Jahren so eindrucksvoll unter Beweis stellen.“

Für Matthias Thewes ist klar: Er hat seinen Traumberuf gefunden, Platz zehn ist für ihn eine Ehre und gleichzeitig Anspruch, noch besser zu werden. „Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Holz und möchte mein Stipendium als Landessieger nutzen, um Meister zu werden.“ Wie es danach für ihn weitergeht, weiß er noch nicht: „Das liegt mir zu weit in der Ferne.“ Peter Dincher jedenfalls ermutigt den „stets kollegialen Mitarbeiter“, sein Talent zu nutzen und lässt ihn nach Feierabend Maschinen und Werkstatt nutzen, damit er mehr Erfahrung sammeln und seine Kreativität ausleben kann. Er lobt ihn für sein „ruhiges, besonnenes Arbeiten“: Matthias sei kein Sprinter, sondern Dauerläufer.

Und woher kommt seine absolute Liebe zum Holz? „Ich habe schon als Kind immer gerne gebastelt und gebosselt.“ Geholfen hat bestimmt auch, dass sein Opa Modellbautischler und der Patenonkel Schreiner waren. Durch seine Ausbildung hat sich zudem sein praktisches und lösungsorientiertes Denken massiv verbessert, wie er sagt. Außerdem bewundert er bei seinen älteren Kollegen, wie schnell sie etwas umsetzen können. Das spornt ihn an.

Der Wettbewerb in Berlin hat Thewes einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben: „Es hat mir echt viel Spaß gemacht und mich zusätzlich motiviert.“ Bleibt die Frage, ob der Torwart des TuS Michelbach schon immer Schreiner werden wollte? „Nach der Schule hatte ich durchaus ein paar andere Ideen: „Medizintechniker hätte ich mir vorstellen können, auch die Berufsfeuerwehr war in der engeren Wahl. Einzig nah am Holz war da die Vorstellung, Zimmerman zu werden.“ Dann aber hat er sich an zwei Schulpraktika bei Schreinermeister Edgar Arend erinnert – der Rest ist Schreinergeschichte. Fortsetzung folgt…