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Ein Schritt zurück, der beeindruckt und seine Logik hat

Raumausstattermeister und Wohnberater Stefan Linke war ewig selbstständig, jetzt arbeitet er lieber in zweiter Reihe für den größten Betrieb im Saarland – und ist sehr zufrieden mit seinem Entschluss. Eine Würdigung!

Bildnachweise: Georg-Foto, HKH Saar, Raumausstattung E. Rase

Wir wollen hier eine Erfolgsgeschichte nacherzählen, die es in sich und am Ende eine überraschende Wendung erfahren hat. Die Rede ist vom Arbeitsleben des Stefan Linke, seines Zeichens hoch angesehener Raumausstattermeister, der auch als langjähriger Landesinnungsmeister seine Spuren in der Szene hinterlassen und jetzt eine Rolle rückwärts vollführt hat – von der langjährigen Selbstständigkeit hin zum Angestellten bei der ehemaligen Konkurrenz.

Der Raumausstatter Helmut Kallenbach GmbH hat Stefan Linke sein Raumausstatterunternehmen E. Rase mit Filialen in Saarbrücken und Homburg zum 1. Januar 2024 verkauft, wobei das Ladenlokal in Güdingen geschlossen wurde. Joel Martin ist nun also der Chef von Stefan Linke, der für seinen Rückzug drei Gründe benennt: den Tod seiner Mutter, mit der er eng und bis zuletzt zusammengearbeitet hat, eigene gesundheitliche Probleme und das Problem, keinen Nachfolger zu heben. Dann doch lieber rechtzeitig verkaufen und weiterhin mitarbeiten: an schönen Projekten und innovativen Wohnkonzeptlösungen.

Stefan Linke wirkt mit sich im Reinen und gar nicht traurig, dass er aufgegeben hat, was einst sein Vater geschaffen und sie als Familie später gemeinsam groß gemacht haben. Familientradition endet eben, wenn keine Familie mehr da ist. Hier sitzt vielmehr ein Mann, der weiß was er kann – und weiterhin tun möchte, was er so gut kann. Jetzt aber ohne die Gesamtlast einer Selbstständigkeit – mit Verantwortung für maximal zehn Mitarbeiter, die er in Spitzenzeiten mit hochwertiger Arbeit versorgen durfte.

Zeit, die jahrzehntelange Karriere einmal Revue passieren zu lassen. Es geht schon gut los, als Stefan Linke die Gesellenprüfung als Bester des Jahrgangs absolviert. Auch hier kommt ihm seine ästhetische Grundausbildung zugute, schließlich war er sein Leben lang mit den schönen Dingen und Möglichkeiten des Raumausstatterberufs umgeben. Gelernt hat er im elterlichen Betrieb, im Hinterkopf aber schon die Option auf einige Abenteuer außerhalb der doch engen saarländischen Landesgrenzen.

Auf Kronberg im Taunus fällt die erste Wahl, also jenem Paradies für Raumausstatter, das durch seine herausragend hohe Kaufkraft einem lernwilligen Berufsanfänger alle Möglichkeiten zum kreativen Austoben bietet. So erzählt er, dass er mit seinen Kollegen beispielsweise das Haus des ehemaligen CDUGranden Walther Leisler Kiep (1926 bis 2016) mit schönen Stoffen und Geschmeiden aufwerten durfte. Gleiches gilt für das Anwesen von Werner Maihofer (1918 bis 2009), seinerzeit prominenter FDP-Politiker und Bundesinnenminister. Wegsteine, die Stefan Linke im Gedächtnis geblieben sind. Seinen Meister hat der Szene-Wanderer schließlich 1988 in Oldenburg gemacht. Dass er Talent und Lust auf seinen Beruf hatte, belegen auch diverse Preise und Auszeichnungen. Erwähnt sei hier nur der Julius-Debus-Preis, verliehen an den Jungmeister 1989 in Dortmund in der Kategorie Gestaltung.

Gefragt, ob er über die Höhepunkte seiner Selbstständigen-Karriere berichten mag, also die vermeintlich eindrucksvollsten Aufträge und Baustellen, muss Linke nicht lange überlegen: Da wäre einmal die Messe in Dubai, für die eine Abordnung von Raumausstattern aus Deutschland 2006 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums den deutschen Pavillon gestalten sollte. Ein richtig großer Auftrag, nur leider sind die Schiffscontainer mit den vorgefertigten Materialien unterwegs verschwunden. Was tun, wenn der Auftritt Deutschlands nicht ins Wasser fallen sollte? Klar, das tun, was Raumausstatter am besten können (müssen): improvisieren! Soll heißen, die Wohnhandwerker bitten bei der Fluggesellschaft um eine Ausnahmegenehmigung für Übergepäck und schaffen die Ersatzelemente via Airline rechtzeitig zur Messe. Der Messeauftritt muss wohl gut geworden sein.

Mehr als gut war auch die Ferrari- Garage, die Stefan Linke für einen Kunden mit entsprechendem Fuhrpark entworfen hat – eine Augenweide mit allem Schnickschnack-Pipapo, die solch’ ein Auftrag verlangt und verträgt. Ein absolutes Karriere-Highlight, wie Stefan Linke gerne zugibt.

Und dann natürlich das große Thema „Ausstattung von Villen“, sei es die von Johannes Hoffmann („Joho“), dem ehemaligen Ministerpräsidenten des Saarlandes – oder diverse Luxusobjekte in der Schweiz. Er erinnert sich gerne an diese hochpreisigen Schmankerl, die alle aber auch organisatorische Herausforderungen sein sollten. Passend dazu eine Erkenntnis von Stefan Linke, die jetzt auch bei seinem neuen Arbeitgeber wieder passt: „Wir sind selten die billigsten, aber immer öfter die Besten!“

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der ebenso ruhige wie leidenschaftliche Raumausstatter beim Thema Innovationen ganz vorn ist und gar ein Patent für eine „Gardinenstange mit durchschleusbarem Träger“ angemeldet hat, das längst für gutes Geld den Besitzer gewechselt hat – und weltweit nachgefragt und eingesetzt wird. Auch ist er stolz darauf, als einer der ersten Raumausstatter auf das Thema „Shutters“ gesetzt zu haben, also Holzjalousien, die innen an Fenstern und Türen angebracht werden, für nachhaltig gutes Raumklima sorgen und zudem noch eindrucksvoll aussehen.

Eindrucksvoll ist auch seine über 23-jährige Ehrenamtstätigkeit als Landesinnungsmeister der Raumausstatter, wo er sich besonders für die Belange der Auszubi ldenden stark gemacht hat – und ein Loblied auf den ehemaligen Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff singt: „Michael Peter war es, der maßgeblich dafür gekämpft hat, dass unsere Innung zum Wirtschaftsverband gewechselt ist. Damals gab es viel böses Blut, aber ohne diesen Schritt gäbe es unsere Innung schon lange nicht mehr.“ In diesem Zusammenhang lässt er nicht unerwähnt, dass es früher überhaupt keine Frauen als Auszubildende gab: „Das hat sich komplett gewandelt.“

Apropos Frauen. Stefan Linke verrät, dass mehr als 90 Prozent der Aufträge bei Raumausstattern von Frauen vergeben werden, deshalb hat er sich als Mann irgendwann gedacht, dass doch besser Frauen – beispielsweise seine Angestellten – als quasi Türöffner zu den Kundinnen gehen sollten. Und siehe da: „Es hat geklappt, das war mein Erfolgsrezept als Mann und Chef. Wir haben dann bei Frauen-Golfturnieren Präsenz gezeigt, was das Geschäft bis zuletzt nachhaltig belebt hat.“ Aber die Firma „Rase“ – in seinem Besitz seit 1995 – ist ja Geschichte, das Ladenlokal, seit 2015 am Homburger Markt, besteht aber weiter – jetzt mit ihm als Angestellten.

Stefan Linke hat in seinem Berufsleben so viel erlebt, dass er mit dem Gedanken spielt, darüber ein Buch zu schreiben. Das wäre ein schöner Insiderbericht aus der Raumausstatterbranche und vor allem würden auch all die Geschichten erzählt, die hier jetzt keinen Platz mehr gefunden haben…